Kirchenfassade aus regionalem Sandstein in Lautertal, Hessen

Sandstein als regionaler Baustoff

Sandstein ist in Deutschland kein einheitlicher Baustoff, sondern ein Sammelbegriff für eine Vielzahl sedimentärer Gesteine mit unterschiedlicher geologischer Herkunft, Korngröße, Farbe und Festigkeit. Die Vorkommen verteilen sich auf verschiedene geologische Formationen und Regionen — von den mesozoischen Schichtfolgen Süddeutschlands bis zu den kretazischen Ablagerungen der sächsischen Schweiz.

Der Baustoff wurde historisch bevorzugt dort eingesetzt, wo er in abbaugeeigneter Qualität lokal vorhanden war. Die regionalen Prägungen in der Baugeschichte — das rötliche Erscheinungsbild des Odenwaldes, das helle Grau des Elbsandsteingebirges — sind deshalb eng mit den jeweiligen Gesteinsvorkommen verbunden.

Buntsandstein: Verbreitung in Mittel- und Süddeutschland

Der Buntsandstein ist geologisch eine Abteilung der Trias (ca. 251–247 Millionen Jahre). Seine Ablagerungen bedecken große Teile des süddeutschen und mitteldeutschen Raums und treten am Schwarzwald, im Odenwald, im Pforzheimer Raum, in Teilen von Hessen, Thüringen und dem nördlichen Bayern an die Oberfläche.

Die typische rotbraune Färbung entsteht durch Hämatit (Eisenoxid), das als Bindemittel oder Beläge um die Quarzkorn-Gerüste vorkommt. Das Bindemittel des Buntsandsteins variiert: überwiegend kieselig oder kieselig-ferritisch gebundene Typen sind verwitterungsresistenter als calcitisch gebundene Varianten.

Verwendung im Odenwald und Rhein-Main-Gebiet

Buntsandstein aus dem Odenwald war im Rhein-Main-Gebiet der klassische Bau- und Werkstein. Große Mengen wurden per Schiff über den Rhein transportiert. Viele Kirchengebäude, Brücken und öffentliche Bauten im hessischen Tiefland tragen diesen Stein. Charakteristisch ist die rötliche bis violettrötliche Färbung bei relativ gleichmäßiger Textur.

Kirchenfassade aus Naturstein in Breitenbach am Herzberg
Kirchenfassade in Breitenbach am Herzberg (Hessen). Foto: UuMUfQ, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons.

Elbsandstein: Das Sandsteingebirge in Sachsen

Das Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz lieferte über Jahrhunderte Sandstein für die Bauten Dresdens und der Region. Der Elbsandstein (auch „Pirnaer Sandstein“) gehört geologisch zur Oberkreide. Er ist kieselig gebunden, relativ feinporig und gilt als verwitterungsbeständiger als viele süddeutsche Buntsandsteine.

Am Dresdner Stadtbild ist Elbsandstein allgegenwärtig: Zwinger, Frauenkirche und Brühlsche Terrasse sind in wesentlichen Teilen aus diesem Stein errichtet. Die Farbe variiert je nach Abbaustelle von hellgrau-gelblich bis rötlichgrau. Die Rühl'schen Steinbrüche bei Cottau (heute Cotta) galten als besonders hochwertige Quelle für Werkstein.

Weser- und Teutoburger Sandstein

Im Bereich des Teutoburger Waldes und des Weserberglandes kommen Sandsteine der Kreide- und Juraformation vor. Der sogenannte Osnabrücker Sandstein oder Grünsandstein des norddeutschen Raums hat eine andere Entstehungsgeschichte als süddeutsche Buntsandsteine, weist aber ähnliche Verwendung als Fassaden- und Mauerstein auf.

Regionaltypisch ist hier die gelb-grünliche bis grauweißliche Färbung. Die Vorkommen im Osnabrücker und Bielefelder Raum prägten die Bausubstanz kleinerer Städte in Westfalen und Niedersachsen bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Rheinsandstein und Pfalzstein

In der Pfalz und im nördlichen Rheinland-Pfalz sind Buntsandsteinvorkommen bekannt, die historisch als „Pfälzer Sandstein“ oder „Rheinsandstein“ im Handel bezeichnet wurden. Die Kirchenbauwerke der romanischen Epoche — etwa in Worms, Speyer und Mainz — wurden überwiegend aus Pfälzer Rotsandstein errichtet. Der Speyerer Dom zählt zu den bedeutendsten romanischen Bauten Europas und ist in nahezu allen Teilen aus lokalem Buntsandstein gefertigt.

Regionale Gesteinscharakteristik im Vergleich

Obwohl alle genannten Gesteine unter den Oberbegriff „Sandstein“ fallen, unterscheiden sie sich in technischen Eigenschaften erheblich:

  • Druckfestigkeit: Elbsandstein erreicht höhere Werte als viele Buntsandstein-Varianten
  • Wasseraufnahme: Feinporige kieselig gebundene Typen nehmen weniger Wasser auf
  • Frost-Tau-Beständigkeit: Stark variierend je nach Bindemittel und Porosität
  • Bearbeitbarkeit: Grob- und mittelkörnige Typen lassen sich leichter sägen und bossieren als feinporige Varianten

Für den Einsatz als Fassadenmaterial oder Ersatzstein bei Restaurierungen ist die petrografische Bestimmung des vorhandenen Steins deshalb eine Voraussetzung für die richtige Materialauswahl. Untersuchungen können durch akkreditierte Baustofflabore durchgeführt werden. Informationen zu Prüfnormen finden sich beim DIBt.

Geologische Hintergründe

Sandsteine entstehen durch Ablagerung und Verfestigung von Sand in verschiedenen Ablagerungsumgebungen: fluviatil (Fluss), äolisch (Wind), marin (Meer) oder lacustrin (See). Die Ablagerungsbedingungen bestimmen Schichtung, Sortiertheit der Körner und den ursprünglichen Mineralgehalt. Nach der Ablagerung setzt die Diagenese ein: Druck, Temperatur und Porenwasser verändern die Mineralzusammensetzung und führen zur Verfestigung.

Weiterführende geologische Informationen zu Sedimentgesteinen in Deutschland stellt das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bereit.